Gefährde die Arbeit!

4 01 2013

Das tue ich hiermit!
Anstatt mich an die Arbeit zu machen, hab ich mich dazu entschieden, sie erst einmal liegen zu lassen, um hier etwas zu schreiben.
In meinem Andere Zeiten Adventskalender (geht bis zum 6.1.) war heute folgender Text von Peter Handke zu lesen:

Spiele das Spiel. Gefährde die Arbeit: Sei nicht die Hauptperson. Suche die Gegenüberstellung. Aber sei absichtslos. Vermeide die Hintergedanken. Verschweige nichts. Sei weich und stark. Sei schlau, lass dich ein und verachte den Sieg. Beobachte nicht, prüfe nicht, sondern bleib geistesgegenwärtig bereit für die Zeichen. Sei erschütterbar. Zeig deine Augen, und wink die anderen ins Tiefe, sorge für den Raum und betrachte einen jeden in seinem Bild. Entscheide nur begeistert. Scheitere ruhig. Vor allem hab Zeit und nimm Umwege. Lass dich ablenken. Mach sozusagen Urlaub. Überhör keinen Baum und kein Wasser. Kehr ein, wo du Lust hast, und gönn dir die Sonne. Vergiss die Angehörigen, bestärke die Unbekannten, bück dich nach Nebensachen, weich aus in die Menschenleere, pfeif auf das Schicksalsdrama, missachte das Unglück, zerlach den Konflikt. Beweg dich in Eigenfarben, bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter süß wird. Geh über die Dörfer. Ich komme dir nach.

Das gefällt mir.

Und dazu ein paar Zeilen von Hildegard von Bingen:

Freie dich, denn Gott hat dich so in der Hand, dass du dich in keiner Weise auf die eigene Sicherheit zu stützen brauchst.

Advertisements




„Wir schauen der Wahrheit ins Auge“

10 12 2012

Dieses Lied von Albert Frey haben wir heute Morgen in der Andacht gesungen, und gelesen haben wir 1. Johannes 1,5-10.
WIR schauen der Wahrheit ins Auge…

Ha! Da kann ich doch nur lachen!

Ich meine, dass ICH mich davor drücke, der Wahrheit ins Auge zu sehen, okay. Ich würde darin nur meinen Minderwertigkeitskomplex sehen, den ich für gewöhnlich versuche hinter schönen Kleidern und tadelloser Leistung zu verbergen.
Der Blick ins Auge der Wahrheit würde mir außerdem meine Ängste offenbaren und das, was ich in der Vergangenheit war, während ich in der Gegenwart so tue, als sei ich jene nie gewesen. Der Blick ins Auge der Wahrheit würde mich mit der Realität konfrontieren!
Kein Wunder, dass ich mich davor drücke.
Darum singe ich das Lied ja auch nicht mit.

Aber WIR schauen der Wahrheit ins Auge, das kann ja bloß ein Witz sein.
Wenn Gemeinde dieses Lied singt, kann sie nur meinen: Wir schauen Jesus ins Auge, dem Lieben, dem Heilland.
Auf alle Fälle bedeutet es wohl nicht: Wir sind bereit, uns die Wahrheit über uns zeigen und sagen zu lassen. Oder?
Die Gemeinde jedenfalls, die ermutigt ehrlich zu sein, die nicht heillos überfordert ist, wenn einer die Hosen runter lässt, die möchte ich mal kennelernen.
Die christliche Gemeinschaft, die Gefühlen Raum gibt (nicht nur den positiven), in der Aufrichtigkeit erwünscht ist und man damit am Ende nicht alleine dasteht, die möchte ich mal sehen.
Die Gemeinde, die die Wahrheit über sich selbst aushält, die soll meine Gemeinde sein.

Vielleicht werde ich diese Gemeinde eines Tages finden…
Vielleicht an dem Tag, an dem ich selbst bereit bin, mir die Wahrheit über mich zeigen und sagen zu lassen?
Vielleicht in dem Moment, in dem ich mich selbst ehrlich aushalte, auch ohne Hosen?
Vielleicht zu jener Zeit, da ich meinen Gefühlen (auch den unangenehmen) Raum gebe und aufrichtig werde mit mir selbst?





Mein letzter Tag …

25 06 2011

… in der Neuen Hoffnung.
Die Neue Hoffnung ist eine Art vorübergehendes Zuhause für ausgebrannte Hauptamtliche und Missionare, eine christliche Lebensgemeinschaft zum Aufatmen.

Nach meinem Burnout und den beiden darauffolgenden Klinikaufenthalten konnte ich hier wieder zu Kräften kommen und mich auch geistlich wieder aufrichten lassen.
Ein wunderbarer Ort, an dem jeder sein darf wie er ist. Fast ein Stückchen Himmel auf Erden.
Und die Engel in diesem Haus sind Gisela Stübner, Iris Völler, Elisabeth Antritter und Elisabeth Rupprecht. Sie sind Seelsorger- und Therapeutinnen und sie begleiten uns 7-10 Bewohner/innen mit viel Herz und vor allem mit großer Kompetenz.

Bevor ich hier her kam war mir nicht bekannt, wieviele Hauptamtliche und Missionare mit schweren inneren Nöten aus ihrem Dienst ausscheiden müssen, weil sie einfach nicht mehr können. Klar hörte man gelegentlich mal von einem Kollegen, der wieder zurückgegangen ist in seinen alten Beruf, aber wen interessierten schon die Hintergründe.

In unseren Gemeinden liegt so viel Augenmerk auf jenen, die vorne reinkommen.
Aber wer zählt jene, die hinten wieder rausfallen: verletzt, geprellt, ausgenutzt, erschöpft und fertig mit Gott und der christlichen Welt?
Ich kenne (noch) keine Zahlen, aber ich kenne Namen, habe im letzten Jahr etliche solcher Menschen kennengelernt und ich weiß, dass es viele sind.

Mein Wunsch wäre, dass jeder von ihnen einen Ort findet, an dem er neue Hoffnung schöpfen kann, so wie ich.
Mein Herz hat angefangen, für jene zu schlagen, die sich durch ihr Erleben in christlichen Familien und Kreisen abgekehrt haben von allem, was „fromm“ ist.
Und ich trauere um all die, welche ihr Herz auch vor Gott verschlossen haben.

Dabei gibt es Hoffnung!
Und es gibt das Haus der NEUEN HOFFNUNG, aus dem ich morgen leider ausziehen werde, jedoch mit neuer Hoffnung im Herzen und auch mit neuer Hoffnung für den Menschen, der nach mir einziehen wird.





Ostern vorwärts und rückwärts:

22 04 2011




Am Karfreitag mit Ernst Christoph Homburg (1659)

22 04 2011

Nun, ich danke Dir von Herzen, Herr, für die gesamte Not:
für die Wunden, für die Schmerzen, für den herben, bittern Tod;
für Dein Zittern, für Dein Zagen, für Dein tausendfaches Plagen,
für Dein Angst und tiefe Pein will ich ewig dankbar sein.





Seltsame Anwandlung

20 04 2011

Es stören mich tatsächlich die roten Tulpen vor meinem Terrassenfenster. Und die gelben Narzissen eigentlich auch.
„Warum das?“ frage ich mich.       

Ich freue mich derzeit sehr an der Natur und ihrem explodierenden Farbenspiel, warum also nicht auch über rot und gelb auf meiner Terrasse?
Noch bevor der Kaffee ausgetrunken ist, dämmert es mir:
Diese intensiv leuchtenden Blüten, die sich mit der Sonne so anmutig öffnen, die so schön sind und so fein geformt, … diese tollen Frühlingsboten, die so wirken als würden sie sich all die Mühe nur machen, um meine Welt schön zu blühen, … sie passen mit ihrem rot und gelb einfach nicht in meine grün-weiße Welt!

Ja, grün-weiß ist meine Welt – meine Wohnung.
Alle andersfarbigen Utensilien hab ich beim letzten Umzug aus meinem Besitz gestrichen und auch all meine Wände sind weiß (außer die im Bad, die sind grün.)

Was mache ich nun also mit den rot-gelben „Farbverirrungen“ in meinem Blumenbeet?
Im Moment denke ich, es wird wohl alles okay sein:
– sie, meinem Perfektionismus zum Trotz, stehen lassen und mich durch ihr Dasein daran erinnern lassen, dass bei Gott „anders“ nicht nur sein darf, sondern gewollt ist!
– oder sie aus meinem ansonsten weiß-grünen Blumenbeet entfernen und sie dafür nächstes Jahr alle zusammen in einem großen Blumenkübel blühen zu lassen, den ich dann neben das Terrassenbeet stellen werde. Denn etwas nebeneinander stehen zu lassen kann manchmal auch etwas heilsames haben. Und in manchen Fällen kann es sogar sinnvoller sein, als etwas zusammenzupacken, was sich nicht verträgt.

Und vielleicht sind seltsame Anwandlungen auch gar nicht immer nur zu unterdrücken …
Kann sein, man lernt im Nachspüren wieder etwas über Gott und die Welt … und über sich selbst.





Spinnen reimt sich auf gewinnen!

10 02 2010

Ich sitze im Auto und bin auf dem Weg nach Hause, da höre ich im Radio ein Lied, das meine Aufmerksamkeit gewinnt. Ich mache lauter und höre wie jemand singt:

Lass Dein altes Leben hinter Dir und geh durch diese neue Tür.

Das geht raus an alle Spinner, wir sind die Gewinner,

wir kennen keine Limits, ab heute – für immer,

weil alles ohne Sinn wär’ ohne Spinner wie Dich und mich.

Es ist das neueste Lied von Revolverheld, aber spontan denke ich bei den Worten an so manchen „Spinner“ aus der Bibel:

Noah baute die Arche, Salomo baute ein Haus für Gott …
Mose legte sich mit dem Pharao von Ägypten an und Elia mit den Baalspriestern …
Mit einer Schleuder besiegte David den Riesen, mit einer Prise Salz macht Elisa eine Quelle wieder genießbar …
Nur auf Gottes Geheiß hin, wirft Petrus noch einmal seine Netze aus und Paulus trägt den Namen Jesu vor Heiden und vor Könige …
Was für Spinner!

Und im Grunde ist es kein Wunder, denn sie sind alle erschaffen nach dem Bilde Gottes, und der spinnt ja bekanntlich am aller ärgsten: Ist Gott und wird Mensch!

Es ist, als wollten uns die Geschichten und Figuren der Bibel nichts anderes sagen als:

Lass Dein altes Leben hinter Dir und geh durch diese neue Tür.

Das geht raus an alle Spinner, wir sind die Gewinner,

wir kennen keine Limits, ab heute – für immer,

weil alles ohne Sinn wär’ ohne Spinner wie Dich und mich.

Ich glaub, ich bin dabei!
Und warum spinnen wir nicht zusammen?
Lasst uns mit-spinnen, denn auch für uns gibt es keine Limits!
Lasst uns ab-spinnen, denn ohne Mut werden wir nicht zu Gewinnern und gewinnen auch niemanden!
Lasst uns weiter-spinnen, denn was heute entsteht, bliebe sonst ohne Sinn – ohne Spinner wie Dich und mich!