Komplett daneben!

14 12 2012

Ich höre mit Erstaunen zu als meine Freundin Judika, eine Künstlerin (!), im Hintergrund von einem Blatt Papier vorliest:

Präparieren einer Kavität und Restauration mit Kompositmaterialien, in Adhäsivtechnik, dreiflächig, ggf. einschließlich Mehrschichttechnik, einschließlich Polieren, ggf. einschließlich Verwendung von Inserts. Füllungsfläche: mod abzüglich BEMA 13c.

Boah, denke ich, die Judika hat’s drauf: Restauration, Mehrschichttechnik, Polieren, abzüglich BEMA 13c… Was die alles kann! Und was das wohl für ein Kunstwerk wird? Vermutlich handelt es sich um einen komplizierten Auftrag, eine große Herausforderung!
Klar, schließlich ist sie selbstständig: da kommen Anfragen und Aufräge rein. Ich bin beeindruckt!
Bis sie sagt:

… ist gleich: Wurzelbehandlung.





„Wir schauen der Wahrheit ins Auge“

10 12 2012

Dieses Lied von Albert Frey haben wir heute Morgen in der Andacht gesungen, und gelesen haben wir 1. Johannes 1,5-10.
WIR schauen der Wahrheit ins Auge…

Ha! Da kann ich doch nur lachen!

Ich meine, dass ICH mich davor drücke, der Wahrheit ins Auge zu sehen, okay. Ich würde darin nur meinen Minderwertigkeitskomplex sehen, den ich für gewöhnlich versuche hinter schönen Kleidern und tadelloser Leistung zu verbergen.
Der Blick ins Auge der Wahrheit würde mir außerdem meine Ängste offenbaren und das, was ich in der Vergangenheit war, während ich in der Gegenwart so tue, als sei ich jene nie gewesen. Der Blick ins Auge der Wahrheit würde mich mit der Realität konfrontieren!
Kein Wunder, dass ich mich davor drücke.
Darum singe ich das Lied ja auch nicht mit.

Aber WIR schauen der Wahrheit ins Auge, das kann ja bloß ein Witz sein.
Wenn Gemeinde dieses Lied singt, kann sie nur meinen: Wir schauen Jesus ins Auge, dem Lieben, dem Heilland.
Auf alle Fälle bedeutet es wohl nicht: Wir sind bereit, uns die Wahrheit über uns zeigen und sagen zu lassen. Oder?
Die Gemeinde jedenfalls, die ermutigt ehrlich zu sein, die nicht heillos überfordert ist, wenn einer die Hosen runter lässt, die möchte ich mal kennelernen.
Die christliche Gemeinschaft, die Gefühlen Raum gibt (nicht nur den positiven), in der Aufrichtigkeit erwünscht ist und man damit am Ende nicht alleine dasteht, die möchte ich mal sehen.
Die Gemeinde, die die Wahrheit über sich selbst aushält, die soll meine Gemeinde sein.

Vielleicht werde ich diese Gemeinde eines Tages finden…
Vielleicht an dem Tag, an dem ich selbst bereit bin, mir die Wahrheit über mich zeigen und sagen zu lassen?
Vielleicht in dem Moment, in dem ich mich selbst ehrlich aushalte, auch ohne Hosen?
Vielleicht zu jener Zeit, da ich meinen Gefühlen (auch den unangenehmen) Raum gebe und aufrichtig werde mit mir selbst?





Ich bin dann mal wieder da

6 12 2012

Ich bin wieder da… auf meiner Blogseite.
Ich bin wieder da… in der Neuen Hoffnung (siehe unten).
Ich bin wieder dabei… mich wieder zu finden.

Es duftet nach Essen – Elisabeth kocht zu Mittag.
Andrea (Namen wurden von der Redaktion geändert) steht bei ihr und erzählt, dass sie gestern der Sozialstation, bei der sie sich beworben hat, eine Zusage gegeben hat. Wieder eine, die ausscheidet aus dem hauptamtlichen Dienst und in ihren alten Beruf zurückkehrt. Erst mal.
Martin sitzt auf der Couch im Wohnzimmer und liest in der „Aufatmen“. Er hat einen Manager Job in der Wirtschaft und ist total erschöpft. Sein Körper streikt.
Und ich sitze am Esstisch, schreibe und behalte gleichzeitig das Kaminfeuer im Auge. Der Ofen zieht nicht, es qualmt mehr als dass es brennt. Vielleicht ein Sinnbild für mein Befinden derzeit?

Zwei Wochen werde ich hier sein. Und neben dem Schoko-Nikolaus, der heute Morgen vor meiner Tür stand, empfange ich das Geschenk der Zeit.
Zeit, um zu sitzen und leise Musik zu hören: Andrea Adams-Frey „lebendig“.
Zeit, um mit anderen gemeinsam an der langen Tafel zu sitzen, zu essen und zu reden.
Zeit aus dem Fenster zu sehen. Zeit für ein Bad, für Spaziergänge, für eine Tasse Tee vor dem Adventskranz mit bisher einer brennenden Kerze.
Auch Zeit für Gespräche mit der Therapeutin. Das ist weniger entspannt, das ist Arbeit.
Aber Arbeit an MIR, Beschäftigung mit MEINEM Inneren, mit MEINEM Herzen.

Ich hatte mich mal wieder verloren. Jetzt bin ich wieder da, komme zu mir, tauche wieder auf, taue wieder auf.
Welch ein Privileg, Zeit dafür zu haben! Wer hat das sonst?
Oder sollte ich sagen, wer nimmt es sich?