homo incurvatus in se ipsum

11 11 2009

Wie wär’s mit ein bisschen Latein am späten Nachmittag?
Homo incurvatus in se ipsum.
Klingt lustig, nicht? Ist es aber nicht.
Übersetzt bedeuten die Worte: Der in sich gekrümmte Mensch.

Ich glaube, das bin ich derzeit: in mich gekrümmt, um mich selbst kreisend. Und das Paradoxe ist: Man findet sich nicht etwa, nur weil man um sich selber kreist, sondern man verliert sich.
Komisch, nicht? Indem der Mensch zu sich selbst flieht, entfremdet er sich von sich selbst.

Das ist eine kleine Theorie vom guten alten Luther. Und ich vermute, er hat Recht.

Bin noch nicht fertig, muss aber gleich weg.





Über den Wolken

4 10 2009

Das war meine Aussicht in den ersten Tagen meines dreiwöchigen Urlaubs vom Gipfel des Pilatus aus (Schweiz). Und entsprechend hab ich mich auch gefühlt: von der Sonne verwöhnt, hoch über den Dingen – losgelöst von der Betriebsamkeit und von den Problemen des Alltags – einfach frei und dem Himmel ein Stückchen näher.
Da hätte ich mal besser bleiben sollen …

Aber das geht ja nicht.
Wieder hinab steigen, heißt es, wieder zurückkehren in den Alltag, wieder eintauchen durch die Wolkendecke hindurch in das Leben darunter. Bäh!
Und jetzt stehe ich mal wieder vor der Entscheidung, ob ich mich dagegen sträuben und darüber jammern will, oder ob ich die Arme ausbreiten und die Welt unter den Wolken umarmen will.
Auf umarmen komme ich durch das engl. Wort embrace. Es bedeutet zugleich annehmen/begrüßen, aber auch umarmen.

Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich die Sache am Mittwoch, meinem ersten Arbeitstag, angehen werde. Hinunter zu fahren – mit ausgebreiteten Armen – in eine Welt, die so unfreundlich ist und voller Not, das scheint mir doch sehr viel verlangt.

Oh Gott, dies Bild hab ich vor Augen: Dich, mit ausgebreiteten Armen hinabkommend in unsere Welt, bereit, zu
umarmen was unfreundlich und notvoll ist – MICH.
Für Dich scheint das nicht zuviel verlangt.





Verwandlung

4 09 2009

Ich erlebe Gott gerade als den großen Verwandler.
Ich weiß schon lange, dass er einer ist, der gerne verwandelt, verändert oder umformt und ich glaube auch, dass er das echt kann. Ich wünsch es mir auch oft und bete darum, meist im Bezug auf Situationen, die ich als unangenehm empfinde. Und nicht selten passiert dann auch etwas.
Aber so richtig spaktakulär wird es, wenn der große Verwandler bei mir persönlich ansetzt: Wenn er mein Innerstes verändert und umformt. Wenn er spürbar Hand anlegt, um mein Denken und sogar mein Fühlen zu verwandeln. Genau das hab ich in den letzten Tagen erlebt.

Ich glaube vorgestern war es, da hatte ich einen solchen Anfall von Wut und Verzweiflung wie nicht mehr seit ich 3 war (oder so).
Zuerst überschwemmten mir Zornestränen den Blick, dann schluchzten sich mehrere hilflose Schreie aus meiner Kehle und, weil niemand da war, den ich hätte würgen können, schleuderte ich zuletzt das Teil, das ich grade in der Hand hatte, mit aller Kraft in die nächstbeste Ecke. Dann war der Anfall vorüber, aber nicht die Wut und auch nicht die Verzweiflung.
Ich glaube, ich wäre zu sonst was im Stande gewesen; da meine ich, Gottes Blick auf mir zu spüren. Und ich blicke zurück und sehe auf einmal so viel. So viel mich und so viel ihn … da konnte ich nur flüstern: „Hilf mir!“
Und dann ist es ruhig geworden in mir und die Verzweiflung und die Wut wichen aus meinem Inneren wie die Dunkelheit weicht, wenn die Sonne aufgeht.
Und ich denke an Jesus, wie er dem Wind und den Wellen gebietet, so dass sich der Sturm in Stille verwandelt.

Und jetzt noch die Geschichte von heute morgen.
Man wacht doch manchmal auf und kann sich überhaupt nicht rühren, weil eine tonnenschwere Last – oder in meinem Fall, ein tonnenschwerer Haufen kleinerer Päckchen – einen niederdrückt. Bei mir kommt das gar nicht so selten vor, aber in der Regel hab ich es bis spätestens nach dem Frühstück geschafft, festzustellen, dass mir einige Päckchen gar nicht gehören, andere geb ich im Gebet direkt an Gott ab und den Rest verdränge ich auch gerne mal. Also bin ich bis spätenstens Mittags wieder gut drauf.
Heute hat das nicht funktioniert. Vielleicht, weil mir zu viele der Päckchen tatsächlich gehören und darauf warten, angepackt zu werden …
Aber es sind so viele! Und manche sind mir viel zu schwer! Und ich fühl mich ja auch so gar nicht fit!

… und manchmal kommt mir leben schwerer vor als sterben.

Und dann hilft auch keine Tasse leckerer Cappuccino, und dann bringt auch eine Stunde Sport und Schwitzen keine Aufhellung (alles probiert heute), und dann weiß ich nicht mehr, was ich machen soll, also denke ich wieder leise „Hilf mir!“

Und jetzt sitze ich hier und bin voller Freude, so dass ich mal wieder schreiben muss. Wo die Freude herkommt? Keine Ahnung.
Aber ich denke an Jesus, wie er aus Wasser Wein macht und wie sein Reichtum unsren Mangel in Fülle verwandelt.

Ich erlebe Gott gerade als den großen Verwandler.





Schon schön …

18 03 2009

Ich fühle mich schön.
Nicht immer … aber grade.
Hab mich eben bei drinnen Licht und draußen Dunkelheit in der Scheibe meines Küchenfensters gespiegelt und fand mich schön.
Und das nach so einem bescheidenen, unschönen Tag wie heute!

Meine Theorie ist ja – ganz kurz gefasst-,  dass man sich schön fühlt, wenn man angehimmelt wird.
Jetzt vermute ich, heute Abend hat mich Gott persönlich angehimmelt.
Und warum auch nicht? Er hat mich gemacht, und zwar sehr gut, und ich bin sein Kind.

Schon schön, dieser Gedanke.





Psalm 95

25 02 2009

Kommt, lasst uns dem Herrn zujubeln!
Wir wollen ihn laut preisen, ihn, unseren mächtigen Retter!
Lasst uns dankbar zu ihm kommen und ihn mit fröhlichen Liedern besingen!
Denn der Herr ist ein gewaltiger Gott, der große König über alle Götter!
In seiner Hand liegen die Tiefen der Erde und die Gipfel der hohen Berge.
Ihm gehört das Meer, er hat es ja gemacht, seine Hände haben das Festland geformt.
Kommt, wir wollen ihn anbeten und uns vor ihm beugen; lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserem Schöpfer!
Denn er ist unser Gott, und wir sind sein Volk.
Er kümmert sich um uns wie ein Hirte, der seine Herde auf die Weide führt.

Come, let us sing for joy to the LORD;
let us shout aloud to the rock of our salvation.
Let us come before him with thanksgiving
and extol him with music and song.
For the LORD is the great God, the great King above all gods.
In his hand are the depths oft the earth,
and the mountain peaks belong to him.
The sea is his, for he made it, and his hands formed the dry land.
Come let us bow and worship, let us kneel before the LORD our maker;
for he is our God and we are the people of his pasture,
the flock under his care.





Ganz verwunderlich!

13 01 2009

Ich mach mir Gedanken.
Wie kann das sein, dass Gott mich anspricht und ich weiß, er redet mit mir und meint mich? Das ist mir ein Wunder!
Was mir über 20 Jahre lang so selbstverständlich war, scheint mir derzeit höchst verwunderlich und ich kann es gar nicht fassen.
Allzumal die Mehrheit der Leute um mich herum diese Erfahrung gar nicht kennt.
Ich schätze, deshalb glauben sie auch nicht.
Oder sie glauben nur „an“ Gott im Sinne von „es wird ihn schon geben, den Gott, … irgendwo“.
Ich aber glaube „ihm“, d.h. dem, was er sagt, weil er mich anspricht.

Aber wieso eigentlich? Oder wieso mich und nicht alle? Oder spricht er alle an, aber nicht jeder kann ihn hören?
Sicher gibt es Leute, die wollen ihn nicht hören, dann ist für mich die Sache klar. Aber es gibt doch auch die, die ihn suchen und nicht finden, die horchen und nichts hören.
Allerdings, vielleicht suchen und horchen sie, haben dabei aber ihre festen Vorstellungen davon, was sie finden und hören müssten. Dann kann es natürlich auch nicht gelingen, weil Gott so ist wie er ist und nicht wie wir ihn uns denken.
Ob das das Geheimnis ist? Gott, Gott sein lassen?

Ich weiß jedenfalls nicht, dass ich ihn je gesucht hätte. Ich weiß nur, er hat mich gefunden.

Ganz verwunderlich!





Gott spricht durch meine Waschmaschine!

21 12 2008

Echt jetzt! Ohne Witz! Es scheint als bediene sich Gott, wenn er irgendwie gar nicht mehr zu mir durchdringt, meiner Waschmaschine, um mit mir zu reden …

Das ist sie!

Das ist sie!

Zuletzt hat sie mich vor über einem Jahr im Stich gelassen und damals ungefähr in der gleichen Situation wie heute: Ich wollte, bevor ich für die Feiertage nachhause zu meiner Familie fahre, noch schnell 2-3 Ladungen Wäsche waschen, da bricht die Maschine mitten im Spülgang ab und zeigt Fehlermeldung P. Zum wilden Blinken aller Anzeigeleuchten gesellte sich sofort ein nervtötender Dauerpiepton und ein unheilverkündendes Brummen. Also Waschmaschine aus und wieder an. Das hilft ja schon mal beim PC. Aber nix. Es piept und brummt und blinkt weiter! Also wieder alles aus und dann alles stehen gelassen, weil ich zum Gottesdienst musste.

Unter anderen Umständen wäre ich wahrscheinlich gleich ausgeflippt, aber weil mir das alles so bekannt vorkam, war ich eher nachdenklich als verzweifelt.

Beim letzten Mal als die Waschmaschine streikte saß ich am Ende heulend vor dem verschlossenen „Bullauge“ und wollte sterben. Heute denke ich, Gott hat sie damals angehalten, um mir mal eine Pause zu verschaffen. Ich hätte sonst wohl weitergerödelt bis zum Umfallen. Die geplante Teilnahme an einem Kongress hab ich schließlich abgesagt und hab mich stattdessen erholt. Nach diesen Tagen lief die Maschine wieder als wäre nie was gewesen.

Bis heute! Die Umstände sind diesmal anders, aber der Fall ist wieder derselbe. Die Waschmaschine fiel aus und ich konnte nur denken: Gott, was willst Du mir sagen? Und ich wusste es sofort! Ich wusste, es ging um meine Ich schaff das alleine – Phase und ich glaube, Gott wollte sehen, ob ich es hinkriege, ihn um Hilfe zu bitten. Ich hab es hingekriegt, schon auf dem Weg zum Gottesdienst, aber es ist mir nicht leicht gefallen. Und dann kam mir prompt der Gedanke, ich sollte mal nachsehen, ob das Flusensieb verstopft ist … Es war ein Zwei-Euro-Stück.

Ich glaube, mein Glaube ist auf dem Weg der Besserung.






Lass mich!

19 12 2008

Ich stelle fest, dass ich mal wieder auf dem Ich will alles alleine schaffen -Trip bin oder auch auf dem Wenn nicht alles so läuft wie ich will, dann schmeiß ich den ganzen Kram hin! – Trip. Wie ein kleines Kind, das sich einbildet, es sei schon groß und das sich deshalb nicht mehr helfen lassen will. Dann heißt es nur noch „Kann das alleine!“ oder „Lass mich!“ oder sogar „Geh weg!“
Na und dann lässt man das trotzige Kind, und wenn die Sache gelingt ist ja auch alles gut. Aber wehe es hat doch alles nicht so hingehauen!

Genau wie ein solches Kind komme ich mir grade vor. Ich habe genaue Vorstellungen davon wie die Welt um mich herum zu funktionieren hat, und wenn sich die Welt danach richtet, dann ist auch alles gut. Aber wehe es läuft anders!

Ich weiß nicht, wie normale Menschen mit solchen Anwandlungen umgehen, aber als Christ hab ich in Jesus eigentlich jemanden an meiner Seite, der mir sagt „Ich kann Dir helfen. Du musst nicht alleine“ und „Lass MICH!“ Und ich könnte ganz einfach sagen „Ja, bitte“ oder „Danke, Du sprichst mich grade zur rechten Zeit an“, aber nein, es schreit nur aus mir heraus „Lass mich!“ und „Geh weg!“

Und das Ende vom Lied ist dann, dass ich irgendwann heulend zwischen den Scherben sitze, verrotzt, verzweifelt und voll Scham. Hätte ich mir doch von Anfang an helfen lassen, wäre ich doch bloß nicht immer so stolz!

Die gute Nachricht ist: Mein Gott ist ein Vater, der sein Kind nie in den Scherben sitzen lassen und sich abwenden würde. Er kommt und er nimmt mich auf und tröstet mich (verrotzt hin oder her).

Die schlechte Nachricht: Ich sitze noch nicht heulend in den Scherben. Ich schreie immer noch „Lass mich!